Meine Neujahrsgeschichte

Neujahrsgeschichte

 Copyright Tom Schopper.

In der Unendlichkeit der gekrümmten Endlichkeit, gab es Leben. Manches kroch, flog, schwamm oder quatschte sinnlos in der Gegend herum. Einige Lebensformen waren so klein, dass sie kaum wahrgenommen, geschweige denn gehört wurden.

Andere wiederum waren so groß, dass sie träge im Raum herum schwebten und fälschlicherweise für Planeten gehalten wurden, von Wesen die gerade die richtige Größe zum Zubinden einer Hose der Größe 54 hatten, ab und zu mal in den Himmel guckten und sich dabei dachten: „Ob es da oben wohl intelligentes Leben gibt?“.

Einem großen Wesen war das eines Tages zu matt und zu wenig erfrischend die ganze Zeit mit heruntergelassener Hose beobachtet zu werden und begab sich auf die Suche. Auf die Suche nach dem Sein, dem Ursprung und dem Sinn, der hinter allem stecken mochte.

Eines Tages erreichte es eine entzückend anzusehende Galaxie. Vier, durch dunkle Materie in Form gehaltene, Arme gingen von einem Zentrum unerhörter Helligkeit aus und streckten sich links gebogen aus dieser hellen Mitte heraus. Eigentlich sah es aus wie ein Weberknecht der zuviel gesoffen hatte und dessen letzte Worte: „Ich dreh mich mal schnell im Kreis!“, waren.

So kam es, dass im Jahre 13.735.261.401 nU. (nach Urknall) Schnabulak, der Kleinere, sich Sagittarius A, dem Zentrum dieser wunderschönen, entzückenden und schnabulaktisch hervorragenden Galaxie näherte.

Schnabulaks Freude war dermaßen groß, dass Erdbeben der Stärke 312,21 über seinen Körper fuhren. Eine unbedeutend kleine Lebensform, welche sich auf Schnabulak niedergelassen hatte wurde dadurch vollständig ausgelöscht. „Hier ist der Schlüssel zum Glück und zur Antwort aller Fragen!“, rief Schnabulak in seinen Gedanken laut aus. Er öffnete all seine Sinne. Bereit diese wunderbaren Schwingungen des Glücks und der Freude zu empfangen liefen Schnabulak Freudentränen herab, diese zerstörten die letzten Reste der Zivilisation welche sich auf ihn niederlassen hatte. Schnabulak grunzte zufrieden. Was kümmerten ihn jetzt die Antwort auf seine Fragen wenn der Augenblick ungeahnter Freude und Zufriedenheit direkt vor ihm lag. Er ließ all die wunderbare Energie in sich, er spürte wie Wellen der wohltuenden Wärme durch seinen Körper fuhren, tiefer in ihn eindrang, kurz vor seinem tiefsten Selbst innehielt, sich in einem hellen Feuerwerk der schönen Gefühle entfaltete. Kurzum. Schnabulak war kurz vor seinem ersten Orgasmus. Als plötzlich ein tiefer Donner, gefolgt von einem hellen Blitz, die wunderbaren Gefühle schlagartig verschwanden und stattdessen vibrierende Dunkelheit hinterließ. Um Schnabulak begann es sich zu drehen. „Was war geschehen? Wo kommt diese Dunkelheit her?“, stöhnte Schnabulak während er den Ursprung seiner Schmerzen suchte.

Er fand ihn am Ende einer der vier Spiralarme. Klar und deutlich drang die Frequenz des Wahnsinns zu ihm durch, zugleich knallte die vergangene Stimme seines Vaters durch seine planetaren Synapsen. „Hüte dich vor Geschlechtskrankheiten und halte deine Pole immer sauber!“

Schnabulak bekam eine Gänsehaut, sodass neue Gebirge entstanden. „Nein!“, schrie er in die luftleere des Raums, was keinerlei Sinn machte, außer, dass Erdrutsche an den Hängen der neu entstandenen Gebirge wüteten und Schnabulaks aufkommende Panik in Grenzen hielt. Er kannte dieses Spektrum welches er von dieser Stelle empfang. Er wollte so schnell wie möglich von diesem Ort des Wahnsinns und des Irrsinns weg. Doch alle Versuche der Gravitation zu entkommen brachten wenig, daher sah Schnabulak nur eine Möglichkeit … Selbstmord, und Schnabulak begann sich schneller um sich zu drehen.

Als Schnabulak bemerkte, dass ihn die Gravitation des unmöglichen Wahnsinns stärker anzog als die von Sagittarius A, überkam ihn unendliche Panik und er versuchte seine Umlaufgeschwindigkeit noch weiter zu erhöhen. Um seine Taille bildete sich bereits eine kleine Staubscheibe, welche farblich gut zu seinem Körper passte. „Neeeeiiiiiin!“, brüllte er, während er sich immer schneller auf diese Stelle zubewegte. Diese Stelle, welche das bösartigste Virus der Welten in sich trug. „Ich schaffe es!“, schrie er erneut während er an einem toten, entfernten Verwandten vorbeiraste und dabei seinen Drehimpuls unendlich erhöhte.
Schnabulaks Sinne entschwanden. Seine letzten Gedanken waren: „Warum hab ich soviel Pech?“.

In den österreichischen Alpen saßen zwei Liebende, starrten zum Nachthimmel hinauf und hielten sich die Hände. Beide, denn er wollte schon lange den romantischen Teil des Abends abkürzen um schnell zum Sinn seines Seins zu kommen. Der Paarung. Als ein heller Lichtblitz, weit oben am Firmament, in einem klar sichtbaren Lichtregen aus hellen, blauen Photonen langsam verlosch.
„Oh, wie schön“, sagte sie.
„Ist ja nur ne Sternschnuppe“, sagte er und begann die Wiedererlangung der Freiheit seiner rechten Hand unverschämt auszunutzen.

#think

Advertisements

3 Gedanken zu “Meine Neujahrsgeschichte

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s