Die letzte aller Fragen.

Die Frage, welche ich mir seit dem Tod meiner Mutter vor zwei Wochen täglich stelle.

Ist noch jemand da?

Denn trotz Begräbnisversicherung, die sie hatte, bekommt sie eine Sozialbestattung.
Trotz bestehenden Familiengrabes liegt sie bald in der Ferne … und den Begräbnistermin erfahren, nein, das gibt’s schon eher kurzfristig. Wenn ich Glück hab noch am selben Tag. Wie man, in diesem Falle ich, ihre Freunde und deutschen Verwandten informieren soll, blieb und bleibt trotz #goldenen Wiener Herz, unbeantwortet. Dafür aber garantierte Weiterverbindung an einen Kollegen der sich ebenso nicht auskennt, mir aber mit entmenschlichten Vorschriften das letzte bisschen Logik aus der Birne hämmert.
Was mich eines lehrte: Eine Falschinformation, gegeben von einem Falschinformanten (Kurzform FI), wird nicht durch eine weitere FI aufgehoben und schon gar nicht durch unmenschliche Regelungen umgewandelt.
Da tut sich nichts. Das habe ich in den letzten Jahren durch empirische Forschung am eigenen Leben festgestellt.
„Najo, da tut sich eigentlich aber schon was“.
Dieser Gedanke ist richtig, denn seltsame Regelungen wurden durch noch seltsamere Regelungen zur Potenz des absoluten Technokratenwahnsinns gesteigert. Wodurch der Antragssteller zur endgültigen mentalen Zersplitterung gebracht wird … es betrifft ja keinen der durch unser Elend zum Reichtum gekommen ist, sondern eh nur eine Frau die ihr ganzes Leben an das Funktionieren dieses Systems geglaubt hat. Dafür genug Geld in der Begräbnisversicherung hatte, die dann in eine Überbringerpolizze umgewandelt wurde.

 

Kurz vor dem Zusammenbruch befülle ich mit meinen Gedanken dieses Posting, denn der Aufenthalt im Beamten und Technokraten-Kreisel war jenseits von Gut und Böse. Er knabberte schon gewaltig an den Rechten der Menschlichkeit, aber was bedeutet schon Menschlichkeit in Zeiten der Plutokratie und der allgemeinen Geldbeschaffung?
Das waren die Fragen, welche ich mir noch bis heute früh stellte.

Was war geschehen, was passiert?
Erwartungsgemäß wurde ich nicht vom Duft frisch gemahlenen Kaffees erweckt, sondern in Form des Seltsamen in seiner krassesten Erscheinung, dem extraordinären Anruf von einem (weiblichen) Mitglied der Bürokratenkaste.
„Das nenn ich doch wohl einen pipifeinen Montagmorgen“.
Diesen Satz werde ich wohl doch eine Zeit lang aus meinem Repertoire streichen müssen.
Stattdessen rauschen sinnlose Fragmente in Worten gehüllter Idiotie durch meinen Kopf:

  1. Ist es am 29.Februar illegal wen anderen einen guten Tag zu wünschen, oder muss ich am 1.3 oder am 28.2 doppelt grüßen?
  2. Gibt`s einen Bescheid?
  3. Wer zahlt dafür?
  4. Wenn ja, wann?
  5. Jetzt oder in 4 Jahren?
  6. Mit oder ohne Strafzinsen?
  7. Ist dann ein Morgenlachen schon strafbar?
  8. Darf ich die Zeit, welche in der Bürokratie-Strafrunde verbracht wurde dazurechnen oder muss ich abziehen?
  9. Mit Bon oder ohne?
  10. Warum darf ich meine Daten nicht sehen, dafür jeder andere?
  11. Mit welchem Bein bin ich heute aufgestanden?
  12. Wie ist die Regulierung für Schaltjahre?
  13. Dauern deshalb Banküberweisungen solange, weil die Daten via Postkutsche zum anderen Rechner gebracht werden?
  14. Wer sammelt die Pferdeäpfel auf?
  15. Verbringen Daten das Wochenende still verharrend in der Leitung, bis am anderen Ende endlich wer laut: „Montagmorgen!“, brüllt?
  16. Erschrecken sich sensible Daten dann nicht?
  17. Wer zahlt dann die Therapie dafür?
  18. Muss diese dann auch öffentlich ausgeschrieben werden?
  19. Wenn ja, in welchen Medien?
  20. Was ist wenn die Ausschreibung grad an einem Freitag passiert, sind meine Daten dann für diesen Zeitraum illegal, weil ich den Daten nicht zumuten kann ein ganzes Wochenende lang in einem engen Kabel zu verbringen?
  21. Wie hoch wäre die Strafe dafür?
  22. Ist es dann eigentlich eine Verwaltungsstrafe oder muss ich dafür in den Knast?
  23. Bin ich in der Zeit des Gefängnisses von den Abgaben befreit oder muss ich arbeiten gehen?
  24. Werde ich auf dem Weg zur Arbeit vom hochmotivierten Wachpersonal erschossen, wer räumt mich dann weg?

 Jetzt, ja, gerade jetzt, beginne ich etwas zu schmunzeln.

Ich bild mir ein es war ein breiter Grinser, der sich immer weiter verbreitert, denn mir ist gerade die letzte Frage eingefallen.

Wer zahlt meine Beerdigung?

 

 

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Die letzte aller Fragen.

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