Wie rettest du dich aus dem Hochwasser. UST12.

©by Tom Schopper 

Urban Survival TIPP 12

„Hoho, ich lieg im Wildwasser, wie komm ich da wieder raus?“ und „Wie lese ich die Strömung richtig?“.

Meist bist du müde, erschöpft, dein Gesichtsfeld wird immer kleiner und dein letzter Plan ist: „Wenn ich jetzt hinfalle, bleib ich liegen“? Gratuliere, denn dies ist zumeist die Zeit für große Missgeschicke. Du hast weder das warnende Rauschen des Gebirgsflusses bemerkt, noch, dass du bereits auf der unterspülten Uferböschung entlang wanderst, beziehungsweise torkelst. Das Verabschieden des unterspülten Waldbodens geschieht oft unspektakulär, langsam und ohne viel Gekrache senkt sich der Boden bevor er abbricht und dich im Pechvogelmodus mit in die Tiefe reißt. Bevor du eigentlich realisiert hast was da gerade abgegangen ist, weckt dich etwa 10 Grad kaltes Wasser (im Hochsommer). Ohne Schutzanzug hast du jetzt genau 2-3 Minuten um aus dieser Nummer rauszukommen, das heißt einen klaren Kopf zu bewahren, die Situation sofort zu erkennen, und je nach Strömung und Flussverlauf einen Platz zum Anlanden suchen.

Hierbei unterscheiden wir zweierlei Ausgangssituationen:
Hochwasser und
kein Hochwasser.

Die höchste Fließgeschwindigkeit entwickelt der Fluss im Hauptstrom, der immer breiter wird je mehr Wasser im Fluss ist. Aus dem Hauptstrom kommste nicht ans Ufer. Ebenso ist das Schwimmen, wie du es im Schwimmbad gelernt hast bei dieser Übung nicht angesagt. Der Strom fließt bei normalen Pegelstand mit etwa 2–3 Meter in der Sekunde dahin, wenn du hier versuchst gegen die Strömung zu schwimmen verschießt du deine letzte Kraft für sinnloses Herumgekraule. Die richtige Position für deine Rettung ist (passive Schwimmlage) wenn du die Rückenschwimm Position einnimmst, den Kopf flussaufwärts und aus dem Wasser gehoben, die Beine leicht angewinkelt und geschlossen halten. Mit deinen Armen steuerst du und siehst auch sehr gut wohin du getrieben wirst. Steuere das Ufer an, idealerweise hinter einem mittelgroßen Stein an dem ein hilfreiches Kehrwasser auf dich wartet. Gefahr dabei ist, wenn der Stein vom Wasser überspült wird und dahinter kein Kehrwasser, sondern eine Wasserwalze auf dich wartet, welche dich auf den Grund des Flusses drückt. Im Worst case immer und immer wieder. Bei einem Kehrwasser läuft die Strömung hinter dem Hindernis gegen die Fließrichtung. Kurz bevor du das Kehrwasser erreichst (1-2 Meter) drehst du dich auf den Bauch und schwimmst wie gewohnt (aktive Schwimmlage) in das Kehrwasser hinein. Im Idealfall zieht es dich direkt an Land, manchmal machst du eine Ehrenrunde um dann kraftvoll ans Ufer zu gelangen.

Sofort die nassen, kalten Klamotten ausziehen und zum Trocknen über die Büsche legen. Falls du bei dieser Nummer deinen Rucksack verloren hast oder abnehmen musstest weil er dich sonst unter Wasser gezogen hätte, es gibt Hoffnung ihn wieder zu finden. So wie du durch einen Wasserstrudel, in unserem Fall ein Kehrwasser, abgebremst und gerettet wurdest, kann sich auch dein Gepäck in einem ebensolchen wiederfinden. In Walzen solltest du auf keinen Fall hineinschwimmen, hier hilft nur warten bis das Wasser es wieder freigibt.

Passiert dir diese Nummer bei Schnee und Kälte, und du hast nichts zum Feuermachen bei dir, dann war es das für dich auf diesem Planeten.
Bedenke immer wenn du durch die Botanik wanderst:
Kind der Sonne, du bist sterblich.

Warnung: Die gefährlichsten Wasserstrudel befinden sich direkt bei und nach Wehren. Sie sehen meist unscheinbar aus, ohne viel Getöse, wie es sonst gefährlichen Wildwasserstellen zu eigen ist, dennoch sind sie meist unterspült und dahinter verbirgt sich eine Mörderwalze aus der du, auch mit Schwimmweste, nicht lebend herauskommst. Hier im Zuge einer unüberlegten Rettungsmaßnahme hineinzuschwimmen ist Selbstmord und erhöht die Opferzahl um die Potenz der verunglückten Retter. Schwimm niemals im direkten Umfeld eines Wehrs! Zuwerfen von Seilen oder Lianen wäre eine sichere Alternative für Rettungsmaßnahmen.

Welche Strömungen kennen wir bereits?
Kehrwasser und Walzen.

Beide entstehen nach Hindernissen.
Kehrwasser, weil die Strömung um das Hindernis, Walzen, weil sie darüber fließt.

Bei Hochwasser kann die Kehrwasserverschneidung, also die Stelle an der sich die beiden Strömungen treffen, einen Niveauunterschied ausmachen, der bis zu einem Loch führt, das wiederum für Anlanden und Rettungsversuche höchst ungeeignet ist.

 FAQ:

Welches natürliche Wasserhindernis kann noch gefährlich werden?
Prallwände.
Sie entstehen bei Änderungen der Fließrichtung, hier prallt der Hauptstrom an eine Felswand und wird dadurch abgelenkt. Im Idealfall hast du direkt vor der Wand eine kleine Vorwelle, wenn du deinen Kurs nicht rechtzeitig ändern konntest, steuere in der (passiven) Wildwasserschwimmtechnik mit den Beinen voraus direkt darauf zu. Be cool und du wirst wenige Zentimeter vor der Wand wieder in die richtige Richtung gelenkt. Gibt es keine Vorwelle ist dies ein Zeichen für eine gefährliche Unterspülung des Felsens. Kommst du hier hinein standen auf deinem letzten Glückskeks keine guten Texte. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Wird es dort auch Wildwasser geben?

 Oh, da hängt ein Seil im rechten Winkel über den Bach. Bin ich jetzt gerettet?
Sicher nicht. Packst du das Seil, in unserem Fall ist es ein Seil und kein stromführendes Kabel, bildet es ein V an der Stelle wo du es packst, die Strömung drückt dich erbarmungslos unter Wasser. Lässt du nicht aus ertrinkst du, lässt du aus und hast keine Schwimmweste angelegt, verpfefferst du unendlich viel Kraft um wieder an die Wasseroberfläche zu kommen.
Ist das Seil aber schräg zur Fließrichtung angebracht kannst du so den Wasserdruck zu deinem Gunsten ausnützen und via Seilfähre ans rettende Ufer zu gelangen.
Egal wie, binde dir NIEMALS ein Seil um dich oder deine Arme. Die Strömung drückt dich nach unten und den Knoten bekommst du niemals wieder auf.

Was steht sonst noch in einem Wildwasserfluss herum?
Die allseits beliebten Brückenpfeiler. Darum solltest du einen weiten Bogen machen und auch kein Kehrwasser der Pfeiler nutzen. Meist sind um die Pfeiler Reste des letzten oder aktuellen Hochwassers gewickelt. Hierbei stehen die bis zu mehreren Meter langen Holzbruchstücke in alle Richtungen weg. Ersaufen und zugleich gepfählt werden, das würde nicht mal Vlad, dem Pfähler, einfallen, also halte, wenn du nicht vorher aus dem Wasser rauskommst, den größtmöglichen Abstand zu Brückenpfeilern.

Kann ich beim Schwimmen im WW nicht mit den Beinen den Grund nach Stand absuchen?
In der Natur, besonders im Bachbett, liegen Steine rum, meist größere, denn die kleineren wurden schon von der Strömung weggeschwemmt. Ist ja an und für sich ja nicht besonders besorgniserregend, in deinem Fall als Pechvogel schon, denn hierbei verklemmt sich dein Bein, meistens der Knöchel, zwischen den Steinen, stoppt dich, vom dumpfen Geräusch des brechenden Gelenks eingeleitet wirst du von der Strömung unter Wasser gedrückt. Wenn dein Wunsch liegend im Bett zu sterben lautete dann haste es geschafft, nur eben unklar definiert.

Darum halte deine Beine immer so hoch wie möglich. Bei Hochwasser können auch Zäune, Gitter, Autos und ähnliche Hindernisse unter Wasser auf dich lauern. Verfängt sich dein Bein darin kommst du gegen den Wasserdruck nicht mehr heraus.

 Weil das Thema so spannend wie ergiebig ist, lauten die folgenden Urban Survival Tipps: „Hoho, ich lieg im Wildwasser, wie komm ich da wieder raus? Teil II“ und „Funkt das bei Hochwasser auch? Teil I“.

 Viel Spaß euer Tom S.

Zum Buch Abenteuer geht`s da lang  —>  www-runa-epos.com

 

 

 

 

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